Machen Sie Ihre Homepage zum Kun­den­ma­gnet­en

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Ralf Skirr
Marketing Experte seit 1987
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Ihre Broschüre als Firmenhomepage – (k)eine gute Idee?

Vor einiger Zeit schrieb mir ein Kunde:

„Ich hätte gerne die Startseite der Homepage so in etwa wie die Innenseite meiner Flyer.“

Das ist kein seltener Wunsch. Oft haben Unternehmer die Idee, eine Unternehmensbroschüre zur Grundlage der Firmenhomepage zu machen. Dafür gibt es meist zwei Gründe:

  1. Zum einen wünscht man sich ein einheitliches Design für seinen Firmenauftritt, online und offline.
  2. Zum anderen will man Arbeit sparen, denn man hat sich ja schon die Mühe gemacht, die Texte für die Broschüre zu schreiben. Warum also nochmal arbeiten und für die Internetpräsenz neue Texte schreiben?

Der Wunsch ist verständlich. Aber nützt er dem Erfolg Ihrer Firmenhomepage, oder schadet er der Neukundengewinnung im Internet?

Sie ahnen die Antwort vermutlich schon, sonst gäbe es diesen Fachartikel nicht. In der Praxis schadet die übertragene Broschüre der Homepage mehr, als sie ihr nützt.

Meine Kunden sind Spezialisten aus den unterschiedlichsten Branchen: Immobilienmakler, Schönheitssalons, Bürodienste, Pilot für Rundflüge, Zahnärzte und viele mehr.

Spezialisten für Marketing und Internet-Marketing sind sie dagegen in der Regel nicht.

Das wäre auch sinnlos, denn als Unternehmer sollen Sie sich auf Ihre Kernkompetenz konzentrieren. Genau deshalb engagieren Sie für Ihre Firmenhomepage eine Internetagentur.

In diesem Artikel erfahren Sie,

  • dass eine Firmenhomepage und eine Firmenbroschüre unterschiedlichen Gesetzen folgen,
  • warum es keine gute Idee ist, Ihre Broschüre in Text oder Design auf die Firmenhomepage zu übertragen,
  • wie Sie Text und Design Ihrer Firmenhomepage für den größtmöglichen Erfolg gestalten.

Warum Sie das Design Ihrer Broschüre nicht für Ihre Firmenhomepage benutzen sollten!

Stellen Sie sich einen Moment vor, Sie halten eine gedruckte Unternehmensbroschüre in der Hand.

Sie können die Broschüre drehen und wenden wie Sie wollen, Sie haben immer mindestens den Inhalt einer ganzen Seite vor Augen. Wenn Sie die Broschüre aufklappen, sogar den Inhalt von 2 Seiten.

Sie können nichts übersehen.

Broschürenvorlage: stocklayouts.com

Ganz anders bei einer Homepage.

Vergleichen Sie bitte die oben gezeigte Seite mit dem Bildschirminhalt unten.

In dem Bildbeispiel unten sehen Sie, dass der größte und wichtigste Teil der Unternehmensinformation auf dem Bildschirm gar nicht zu sehen ist.

Der Text der Broschüre auf der Firmenhomepage befindet sich unsichtbar unterhalb der Bildkante.

Zusätzliche Erschwernis ist, dass Sie auf einen Link klicken müssen, um eine andere Seite des Internetauftritts zu sehen. Dabei geht Ihnen dann die aktuelle Seite verloren.

Der Vorgang des ‚hin-und-her Blätterns‘, der bei einer gedruckten Broschüre so schön einfach ist, ist bei einer Homepage im Vergleich sehr umständlich.

Das mag Ihnen banal erscheinen. Untersuchungen zur Nutzung des Internets zeigen aber, dass der Erfolg Ihrer Firmenhomepage dadurch erheblich behindert wird:

  • Ein Homepage Besucher betrachtet im Schnitt nur 1,5 Seiten Ihrer Firmenhomepage.
  • Besucher scrollen oft nicht weit nach unten. Sie nehmen vor allem das wahr, was oben auf dem Bildschirm sofort sichtbar ist.

Im Klartext: Alle wichtigen Texte und alle wichtigen Bilder oder Grafiken, die nicht sofort oben und auf der ersten Seite zu sehen sind, bekommen die meisten Besucher NIEMALS zu Gesicht.

Ein Beispiel dafür kennen Sie vermutlich aus Ihrer eigenen Broschüre.

Vielleicht zeigt Ihre Broschüre am unteren Rand Bilder, die Ihre Dienstleistung besonders vorteilhaft darstellen. In gedruckter Form wird niemand diese Bilder übersehen.

Auf der Homepage dagegen bekommen die meisten Besucher die gleichen Bilder nicht zu sehen, wenn Sie das Layout der Broschüre übernehmen und die Bilder an den unteren Rand setzen, also außerhalb des sichtbaren Bildschirmbereichs.

Dazu kommt ein weiterer Unterschied.

Bei der Broschüre bestimmen Sie Format und Größe. Auf Format und Größe des Bildschirms Ihrer Kunden haben Sie dagegen keinen Einfluss. Sie wissen also überhaupt nicht, wie viel oder wie wenig Ihr Besucher von Ihrer Firmenhomepage auf seinem Bildschirm angezeigt bekommt.

Ihre Homepage sieht auf jedem Bildschirm anders aus.

In Schönheit sterben?

Haupthindernis für den Erfolg einer Firmenhomepage ist die Idee, dass das Design über den Erfolg einer Homepage entscheidet. Dann werden künstlerisch wertvolle Homepages gebastelt, mit schicken Animationen, fetten Bildern und bunten Farben.

Denken Sie aber daran, dass wir über Ihre Firmenhomepage reden.

  • Sie müssen niemandem einen spaßigen Zeitvertreib bieten.
  • Sie müssen keinen Schönheitswettbewerb gewinnen.
  • Sie müssen nicht Ihre Konkurrenten beeindrucken.

Ihr Ziel ist, dass jemand, der ohnehin schon kaufbereit ist, sich für Sie entscheidet.

Jemand, der nicht grundsätzlich kaufbereit ist, wird es sich wegen Ihrer Homepage nicht anders überlegen.

Jemand, der bereits kaufbereit ist, steht nur noch vor der Frage, WAS GENAU und WO er einkauft.

Ein potenzieller Käufer sucht also Information als Entscheidungshilfe, und sonst nichts.

Das heißt nicht, dass Ihre Firmenhomepage potthässlich sein sollte. Natürlich soll Ihre Homepage gut aussehen. Entscheidend für den Erfolg Ihrer Homepage sind aber zwei andere Punkte:

  • Die Leichtigkeit und Schnelligkeit, mit der Ihr potenzieller Kunde findet, was er sucht.
  • Die Zielorientierung Ihrer Homepage, also die Frage, ob die Inhalte darauf ausgerichtet sind, den Besucher zur Kontaktaufnahme oder direkt zum Kauf zu leiten.

Was heißt das konkret für das Design Ihrer Firmenhomepage?

Das Design Ihrer Firmenhomepage sollte sich in folgenden Punkten von Ihrer Broschüre unterscheiden:

  1. Auf der Firmenhomepage müssen Inhalte anders angeordnet werden. Dinge, die in einer Broschüre an beliebiger Stelle sitzen können, brauchen auf der Homepage einen bewusst gewählten Platz.
  2. Broschüren gliedern Information oft von links nach rechts, manchmal sogar über die Breite von 2 Innenseiten. Webseiten haben zwar oft mehrere Spalten, die Kerninhalte werden aber in der Regel in einer Spalte von oben nach unten gegliedert.
  3. Homepagebesucher erwarten, dass Sie gewisse Standards einhalten, wo Elemente auf einer Homepage zu finden sind. Wenn Sie diese Standards ignorieren, verlassen Besucher die Homepage schneller, weil sie die gesuchte Information schlechter finden.
  4. Große Elemente, die in einer gedruckten, großformatigen Broschüre sehr schön aussehen, behindern bei einer Firmenhomepage die schnelle Informationsaufnahme.
  5. Alles, was Ihr Besucher unbedingt sehen sollte, muss nach oben. Was unterhalb der Bildschirmkante liegt, wird im Zweifel nicht angesehen.
  6. Verschwenden Sie oben keinen Platz für große Kopfgrafiken und Animationen. Bei großen Kopfgrafiken bleibt wenig Platz für den eigentlichen Inhalt. Sie sehen das auf dem Beispiel oben besonders deutlich.
  7. Keine Bilder als Hintergrund! In Broschüren sehen Fotos als Hintergrund schick aus. Auf einem Bildschirm erschweren Bilder hinter Text die Lesbarkeit enorm. Vermeiden Sie alles, was die LESBARKEIT erschwert. Homepagebesucher sind faul und Ihre Konkurrenz ist nur 1 Klick entfernt.
  8. Verwenden Sie für leichte Lesbarkeit einen starken Kontrast zwischen Textfarbe und Hintergrundfarbe. Für längere Fließtexte bleibt dunkle Schrift auf hellem Grund die sicherste Wahl.
  9. Ein dunkler Hintergrund ist deshalb noch lange kein Fehler. Er verlangt beim Kontrast aber mehr Sorgfalt als ein heller Grund, wie ich im nächsten Abschnitt zeige.
  10. Ihr Besucher (als potenzieller Kunde) sucht Information. Zeigen Sie ihm diese Information auf den ersten Blick.

Warum der Kontrast über die Lesbarkeit entscheidet

Kontrast ist der Helligkeitsunterschied zwischen der Schrift und dem Hintergrund, auf dem sie steht. Je größer dieser Unterschied ausfällt, desto leichter erkennt das Auge die einzelnen Buchstaben. Das klingt selbstverständlich, wird in der Praxis aber ständig verletzt.

Der häufigste Fehler ist hellgraue Schrift auf weißem oder hellgrauem Grund. Im Entwurf des Designers wirkt das elegant und zurückhaltend. Für Ihren Leser wird der Text dadurch anstrengend, und im Zweifel liest er ihn gar nicht.

Derselbe Fehler passiert bei dunklen Designs, nur mit umgekehrten Vorzeichen. Hellgraue Schrift auf dunkelgrauem Hintergrund ist genauso mühsam zu entziffern wie ihr helles Gegenstück. Schwer lesbar wird ein Text immer dann, wenn der Unterschied zwischen Schrift und Hintergrund zu klein ist. Ob die Seite insgesamt hell oder dunkel gestaltet ist, spielt dabei keine Rolle.

Auf dem Smartphone stellen heute übrigens sehr viele Nutzer die Anzeige dauerhaft auf dunkle Darstellung um. Diese Ansicht heißt Darkmode und gehört längst zum Alltag. Eine dunkel gestaltete Website ist deshalb völlig in Ordnung, solange der Kontrast stimmt.

Beim Erstellen einer Website fällt ein schwacher Kontrast oft deshalb niemandem auf, weil alle Beteiligten unter besten Bedingungen arbeiten. Der Designer sitzt an einem guten Monitor in einem gleichmäßig beleuchteten Raum. Ihr Kunde liest dieselbe Seite vielleicht auf einem älteren Notebook oder auf dem Handy in der Sonne. Unter solchen Bedingungen verschwindet zu helle Schrift schlicht.

Für die Prüfung gibt es einen anerkannten Maßstab. Die Richtlinien für barrierefreie Webinhalte (WCAG) verlangen für normalen Fließtext ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5 zu 1 und für große Überschriften mindestens 3 zu 1. Messen können Sie das mit kostenlosen Kontrast-Prüfern im Browser, in die Sie nur die beiden Farbwerte eintragen. Für Onlineshops und viele digitale Dienstleistungen ist Barrierefreiheit seit Juni 2025 ohnehin Pflicht, auch wenn Kleinstunternehmen in vielen Fällen ausgenommen sind.

Für den Alltag reicht oft ein einfacher Test. Schauen Sie sich Ihre Seite auf dem Handy bei Tageslicht im Freien an. Was Sie dort mühelos lesen können, funktioniert auch drinnen am Monitor.

Für lange Texte, die wirklich gelesen werden sollen, bleibt dunkle Schrift auf hellem Grund die sichere Standardwahl. Damit machen Sie nichts falsch. Wenn Sie sich für ein dunkles Design entscheiden, prüfen Sie den Kontrast besonders sorgfältig und halten Sie die Textblöcke kürzer.

Design ja, Layout nein

Es ist richtig, eine Homepage an das grundsätzliche Design Ihrer Firma anzupassen, also zum Beispiel das Logo und die Firmenfarben zu benutzen.

Das Layout einer Broschüre, also die Anordnung der Elemente, ist dagegen meist für den Zweck einer Firmenhomepage ungeeignet. Entscheiden Sie sich stattdessen für ein Layout, das gängigen Webstandards entspricht und das dem Besucher hilft, sein Ziel schnell und einfach zu erreichen.

Wenn Ihre Homepage heute noch dem Aufbau Ihrer Broschüre folgt, ist das selten mit ein paar Korrekturen behoben, weil die Anordnung der Inhalte das Grundgerüst der Seite ist und viele fürs Online-Marketing wichtige Aspekte vermutlich nicht beachtet wurden. Dann ist ein richtiger Homepage-Relaunch oft der bessere Weg.

Wie Sie den Text Ihrer Homepage am besten gestalten, lesen Sie in einem eigenen Artikel.

Herzliche Grüße und viel Weberfolg!
Ralf Skirr

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